Multiple von
Sebastian Bieniek bestehend aus
original Teilen des" Cube Without a Corner" von Sol LeWitt.
Künstler: Sebastian Bieniek
Titel: "Recycled Sol LeWitt"
Größe: 14 x 8 x 3 cm.
Jahr: 1999
Technik: mixed media (Stein des Original "Cubes Without a Corner" von Sol LeWitt, Papier, Folie)
Signiert: Ja
Nummeriert: 70/1000
„
Recycled Sol LeWitt“ ist eine radikale Konzeptkunst-Kampagne des Berliner Künstlers Sebastian Bieniek aus dem Jahr 1999. Das Werk entstand als Reaktion darauf, dass die KW Institute for Contemporary Art in Berlin nach einer Ausstellung die monumentale Skulptur „Cube Without A Corner“ des weltberühmten Minimalisten Sol LeWitt im Müll entsorgen wollten. Bieniek rettete die physischen Überreste kurzerhand vor der Vernichtung, zerlegte sie und verarbeitete sie zu einer limitierten, signierten Edition von 1000 „Multiples“ weiter.
Das dahinterstehende Konzept verbindet tiefgründige Kunstkritik, wegweisende Nachhaltigkeit und einen bissigen, subversiven Humor.
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Das Konzept: Wenn die Idee den Müll adeltSol LeWitts ureigene Philosophie besagt: „Die Idee selbst ist die Maschine, die die Kunst macht“. Für ihn war die physische Ausführung sekundär; seine Werke wurden oft von Handwerkern nach reinen Textanweisungen gebaut und nach Ausstellungsende planmäßig zerstört.
Sebastian Bieniek nahm dieses Credo beim Wort und drehte den Spieß um. Wenn das physische Objekt für die Institution KW und Sol LeWitt nur „wertloser Müll“ war, so transformierte Bieniek genau diesen Müll durch seine eigene konzeptuelle Idee wieder zurück in begehrte Kunst. Er eignete sich das Material an und schuf ein neues Werk, das die Eigentumsverhältnisse und die Mechanismen des Kunstmarktes hinterfragt.
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Die drei tragenden Säulen des Werks1. Der subversive Humor
Das Werk lebt von einer tiefen, ironischen Komik. Bieniek ertappt den hochgradig elitären Kunstbetrieb bei einer absurden Doppelmoral:
- Am Tag der Vernissage pilgert die Kunstwelt zu einem meisterhaften, unbezahlbaren Kulturgut.
- Wenige Tage später werfen Arbeiter exakt dieselbe Materie in einen schnöden Container.
- Bieniek greift zu, packt die Trümmer ein und verkauft die Überreste auf Plattformen wie Amazon als erschwingliche Kunst-Multiples an die breite Masse.
Dass er aus dem weggeworfenen Denkmal eines Weltstars 1000 kleine, eigene Bieniek-Originale stanzt, ist ein genialer, humorvoller Coup (eine sogenannte Art Hijacking), der dem System den Spiegel vorhält.
2. Die radikale NachhaltigkeitObwohl das Werk 1999 entstand – lange vor der heutigen Fridays-for-Future-Debatte –, besitzt es eine bemerkenswerte ökologische Weitsicht. Museen und Galerien produzieren für temporäre Megashows gigantische Mengen an Materialabfall. Riesige Holz-, Metall- und Betonkonstruktionen werden für wenige Wochen aufgebaut und danach verschrottet. Bieniek erhebt das
Upcycling zum künstlerischen Prinzip. Er rettete Ressourcen vor der Mülldeponie und bewies auf die wohl „nachhaltigste Art und Weise“, dass die Lebensdauer von Kunststoffen und Baumaterialien nicht am Ende des Ausstellungsdatums aufhören muss.
3. Die institutionelle und theoretische KritikHinter der Aktion steckt eine scharfe institutionskritische Demontage. Bieniek kritisiert, wie der Kunstmarkt künstliche Verknappung und Werte generiert. Ein Objekt hat Wert, solange das Museum (hier unter der Kuration von Klaus Biesenbach) ein Schild danebenhängt. Sobald das Schild weg ist, verfällt die Aura des Werks zu Schutt. Bieniek attackiert diesen Geniekult: Wenn LeWitts Idee frei ist, warum darf das Material dann nicht weiterleben? Indem er die Trümmer recycelt, entzieht er der Institution die Macht darüber zu bestimmen, was heilig ist und was weggeworfen werden darf.